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Glagolitische Tradition
Bascanska plocaDie Anfänge der glagolitischen Liturgie bringt man in Zusammenhang mit der Tätigkeit zwei byzantinischer Missionare, Brüder Kyrill und Method, die die neue slawische Schrift, die Glagoliza, erschaffen  und die bedeutendsten ostliturgischen Bücher in die slawische Sprache übersetzt haben. Die Verbreitung der glagolitischen Liturgie begann Ende des 9. Jahrhunderts, als die Schüller von Kyrill und Method nach Methods Tod Mähren verlassen sollten, wo sie bisher mit Genehmigung des Papstes wirkten. Sie wurden aufgrund großen Widerstandes von Seiten der deutschen Priesterschaft verbannt und fanden in Bulgarien, Serbien und Kroatien Unterkunft. Während die Kyrilliza sofort in Serbien und Bulgarien in den Kirchenbüchern verwendet wurde, gebrauchte man in Kroatien auch weiterhin die Glagoliza.

Der Begriff Glagolismus umfasst das Wirken der glagolitischen Priester im kroatischen Volke vom 11. bis zum 19. Jh. im kulturellen und religiösen Bereich, sowie auf dem Gebiet der Bildungsförderung. Das Erscheinen der Glagoliza reicht etwa ins 11. bzw. 12. Jh. zurück. In dieser Zeit schlug der Glagolismus tiefere Wurzeln in den Gebieten, wo er bisher bloß toleriert wurde. Der glagolitischen Tradition und deren Geschichte in Istrien kann man mithilfe von Denkmälern und Innschriften folgen (Plominer Inschrift, Valuner Tafel, Inschrift von Krk, Baska-Tafel, Gesetz von Vinodol, Istrischer Landschied). Ab dem 14. Jh. erscheinen umfassendere Kodexe, Missallien und Breviere mit biblischem Inhalt, Gebete, Legenden, alttestamentarische und neutestamentarische Apokryphe, frühchristliche Legenden und Homilien, sowie biblische Texte. Glagoliter und Priester schrieben neben Kirchenbüchern auch juristische Texte, Schenkungsurkunden und Gesetze in glagolitischer Schrift. Sie mussten der lateinischen Sprache mächtig sein, was übrigens die Texte erkennen lassen, die sie aus der lateinischen in die altkirchenslawische Sprache übersetzten.
Das erstgedruckte Buch in glagolitischer Schrift, in kroatischer Sprache, ist Missal des Fürsten Novak aus dem Jahre 1483, in dem der Glagoliter Juri Zakan aus Roč (dt.Rotz) «Fortschritte im kroatischen Buchdruck verkündet».[1] Im 14. Jh. war Roč ein wichtiges glagolitisches Zentrum in Istrien.

Roc glagoljska tiskaraAuf dem Gebiet von Kroatien wirkte eine glagolitische Druckerei zwischen 1494 und 1508 in Senj. In dieser Zeit wurden  sieben wertvolle Ausgaben in der Druckerei gedruckt, vorwiegend mit liturgischem und sakralem Inhalt, darunter waren unter anderen: Missal, Handbuch zum Sündenbekenntnis, Sammlung der Fastenpredigten, Marias Mysterien.  Etwas später, im Laufe der Jahre 1530 und 1531, nachdem die lateinische Schrift im kroatischen Schrifttum dominant geworden war, wurde vom verbannten Modniser-Korbawer-Bischof Kožičić, der als glagolitischer Humanist und Verfasser lateinischer und altkirchenslawischer Texte bekannt war, noch eine glagolitische Druckerei in Rijeka gegründet. In dieser Druckerei wurden sechs Ausgaben gedruckt, darunter neben Werken liturgischen Inhalts ein geschichtlicher Überblick der Päpste und Könige « Žitije ot rimskih arhijereov cesarov». Die kroatische glagolitische Drucktradition endet symbolisch 1561 mit dem Druck vom «Brevier von Brozić» in Venedig, wahrscheinlich wegen Schließung der einheimischen Druckereien.
Mit diesem Jahr wurde aber der Druck der kroatischen Bücher in glagolitischer, kyrillischer und lateinischer Schrift nicht eingestellt, die Tätigkeit wurde bloß in die slawische protestantische Druckerei zu Urach übertragen, die von 1561 bis 1565 wirkte. Das umfassendste in glagolitischer Schrift in Urach gedruckte Werk der protestantischen Literatur ist Consuls und Dalmatas Übersetzung des gesamten Neuen Testaments in die kroatische Sprache.[2]



Im 16. Jh. schloss sich ein Teil der istrischen glagolitischen Priester der protestantischen Bewegung an, die sich aus Deutschland und Krain kommend immer mehr ausbreitete, insbesondere wegen der politischen und kulturellen Beziehungen Istriens zu Krain und Niederösterreich, dann weiter wegen der Idee, dass man die altkirchenslawische Sprache in der kichlichen Liturgie verwenden kann, aber auch wegen kroatischer Bücher in slawischen Schriften, die sie dazu veranlasst haben, sich am Druck, Korrektur und Verteilen von Büchern zu beteiligen. [3]

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[1] Josip Bratulić, «Juri Žakan» in: Istarska enciklopedija /Istrische Enzyklopädie/ (Zagreb, Leksikografski zavod Miroslav Krleža, 2005), S. 360

[2] Vgl. Alojz Jembrih, «Hrvatsko protestantsko tiskarstvo od ideje do ostvarenja» /«Die kroatische protestantische Buchdruckerkunst von der Idee  zur Verwirklichung»/in: Hrvatske protestantske knjige XVI. i XVII. stoljeća u Nacionalnoj i sveučilišnoj knjižnici /Kroatische protestantische Bücher aus dem 16. und  17. Jh. in der National- und  Universitäts-bibliothek/ (Zagreb, 2005), S. 43.

[3] Vgl. Josip Bratulić, Aleja glagoljaša Roč – Hum /Allee der Glagoliter Roč - Hum/ (Zagreb, Pazin, Roč, 1994), S. 58 – 59